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Nach einem kräftigen Frühstück sattelte Richard sein Pferd und streichelte liebevoll den Hals von Regenbogen. Er erinnerte sich noch an seine Worte, als er diesen einjährigen Rappen zu seinem siebten Geburtstag geschenkt bekam:
„Mein liebes Pferd, du siehst wunderbar aus. Ich nenne dich Regenbogen, denn genauso überraschend bist du in mein Leben gekommen.“
Regenbogen schnaubte leise vor sich hin, als ob er die Aussage bestätigen wollte. Dann schubste er Richard ungeduldig am Arm.
„Ja, wir reiten gleich los“, lachte Richard, „ich möchte selbst gerne noch etwas Zeit für mich haben, bevor abends die Zeremonie beginnt“.
Dann jagte Richard los, als ob eine Räuberbande hinter ihnen her wäre. Die Mähne seines Pferdes tanzte im Wind und auch Richards Haare waren nach kurzer Zeit ganz zerzaust.
Er fand es wunderbar, wenn der Wind durch die Haare strich. Sein Pferd konnte er frei laufen lassen, denn es kannte den Weg, den beide schon oft zurücklegten. Es war ein ruhiges Fleckchen, bei dem Richard seinen Gedanken nachhängen konnte. Er war gerne an diesem Platz und genoss es, wenn die Sonne durch das grüne Laub der Bäume schien und die Blätter zum Leuchten brachte. Auch Regenbogen machte sich gerne über das frische Gras her.
Kurz bevor sie die Lichtung erreichten, war Kampfgetümmel zu hören. Vorsichtig ritt Richard näher und sah fünf wilde Gesellen, mit Ruß verschmierten Gesichtern, auf einen einzelnen jungen Mann einprügeln. Der Angegriffene wehrte sich verzweifelt. Den Rücken an einem großen Baum gelehnt, kämpfte er um sein Leben. In der rechten Hand hielt er ein Schwert und in der linken Hand verteidigte er sich mit einer Kurzaxt. Er blutete bereits am Kopf und am linken Arm.
Die Übermacht ist einfach zu groß, dachte Richard. Wenn ich nicht eingreife und dem jungen Mann helfe, dann ist er verloren. Er preschte auf die Lichtung und rief:
„Fünf gegen einen, so kämpfen doch nur Feiglinge!“
„Wer stört uns denn da?“ brüllte der Räuberhauptmann.
Er befahl, dass sich einer mal um diesen Lümmel kümmern soll, damit er ihnen nicht weiter in die Quere komme. Der Gauner hatte noch keine zwei Schritte gemacht, als ihn Richards Pfeil traf. Genau unterhalb der rechten Schulter wurde er getroffen. Mit Sicherheit keine tödliche Verletzung, aber so hatte es Richard ja auch beabsichtigt. Der Getroffene brüllte wie am Spieß, denn er konnte den rechten Arm nicht mehr bewegen. Sofort kamen ihm zwei Kameraden zu Hilfe. Auch diesen ereilte das gleiche Schicksal. Wimmernd wälzten sich jetzt drei Mann am Boden.
„Entweder ihr verschwindet sofort und lasst euch hier nie wieder blicken, oder es treffen euch noch mehr von meinen Pfeilen. Dann werde ich euch aber weit schmerzhaftere Verletzungen zufügen, als dies bisher der Fall war. Also Flucht oder Schmerzen, ihr habt die Wahl!“ rief Richard.
Der Räuberhauptmann ergriff eine bereitliegende Lanze, um diese auf Richard zu schleudern. Gerade als er zum Wurf ansetzte, traf ihn ein Pfeil im Oberarm. Völlig verdutzt ließ der seine Waffe fallen. Dann rannten alle Gauner schreiend in den Wald hinein, als sei ihnen leibhaftig der Teufel begegnet.
„Ich danke dir vielmals für deine Hilfe. Ohne Unterstützung wäre ich wohl nicht mehr am Leben“.
„Gern geschehen“, erwiderte Richard, „es ist nicht zu akzeptieren, wenn sich fünf Mann auf einen Einzelnen stürzen“.
„Naja“, gab der junge Mann zu bedenken, „fünf gegen zwei ist immer noch ein deutliches Übergewicht. Aber mit deinen hervorragenden Schüssen hast du die finsteren Gesellen toll in die Flucht geschlagen“.
Richard erkundigte sich bei dem jungen Reiter:
„Was wollten die Gauner eigentlich von dir?“
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